Generation(s) - a visual art collection

Ein Jahr ist nach der Veröffentlichung unserer letzten Printausgabe Generation(en) im Dezember 2023 vergangen. Doch das Thema Generation(en) bietet weiterhin viel Raum für kreative Auseinandersetzungen. Aus diesem Gedanken entstand die Idee für einen kleines (Maga)Zine, das sich ausschließlich künstlerisch mit dem Thema Generation(en) auseinandersetzt. 

 

Generation(s) – a visual art collection 

Die Kunst als universelle Sprache, die nahezu ohne geschriebenes Wort auskommt, steht dabei im Fokus. Die Beiträge des Zines schaffen auf kunstvolle Weise lebendige Verbindungen zwischen Generationen und spiegeln unterschiedliche Perspektiven wider. Ziel ist es, einen generationenübergreifenden Austausch zu ermöglichen, der jenseits von Sprachbarrieren stattfindet. 

 

Mit dieser Sonderedition des Magazin of Color wollen wir Kunst zugänglicher und gleichzeitig Bi_PoC-Künstler*innen sichtbarer machen. 15 Künstler*innen haben in ihren Werken ihre Gedanken und Perspektiven mit uns geteilt und tragen so zu einer einzigartigen Sammlung bei. 

Naomi Boima, Gizem Güvendag, Arefe Ivani, Mieraf Köber, Sanata Nacro, T. H. Minh Voll, Penda , Yasmine Amal, @joannehellerei, Nadja Shkirat, Maria Hosein, Maria del Pilar, Sharon Mary Nesyt, Sina Hassene Daouadji, Carlos Carima – danke für euer Vertrauen! 

Um noch mehr Tiefe und persönlichen Zugang zu den Künstler*innen herzustellen, war ein wichtiger Teil des Entstehungsprozesses, die Werke mit persönlichen Zitaten der Künstler*innen und passenden Songs zu vervollständigen. Diese lassen den*die Betrachter*in noch tiefer in die Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen und eröffnen eine neue Perspektive, die Kunst zu betrachten.

01 Meng

Nguyễn Quang Binh

T. H. Minh Voll, geboren 1992 in Forchheim, ist eine deutsch-vietnamesische Illustratorin und Grafikdesignerin. Ihr Werdegang spiegelt ihre persönliche Entwicklung und Migrationsgeschichte wider. Ihr multikultureller Hintergrund inspiriert ihre Kunst, die Tradition und Moderne verbindet.

Titel: Tâp 1 – Ngày xửa ngày xưa – Ich war einmal (Once upon a time)

Beschreibung: Das Werk„Tâp 1 – Ngày xửa ngày xưa – Ich war einmal “ ist das erste Kapitel des Buches „Tay rau muong – Westlicher Wasserspinat“ von T. H. Minh Voll. Das Kapitel behandelt die prägende Kindheit, in der das Kind den Mittelpunkt des Lebens der Eltern bildet. Hubba Bubba und Schafkopfkarten stehen für das Aufwachsen in der westlichen Welt, während die vietnamesische Erziehung tiefe Wurzeln schlägt. Der Schlangenschnaps symbolisiert das vietnamesische Erbe, der erste Vietnam-Besuch die Entdeckung der Heimat.

02 Sanata Nacro

Privat

Sanata Nacro ist ein*e in Köln lebende Künstler*in, deren Arbeiten sich durch Experimentierfreude auszeichnen und den Wunsch, sich über die eigenen Erfahrungen mit den Erfahrungen anderer zu verbinden. Sanata  arbeitet in mixed media und fokussiert sich auf die Erforschung verschiedener Aspekte von Verbindung und Verbundenheit.

Titel: Asanatou

Beschreibung: In dem Werk Asanatou beschäftigt sich Sanata mit generationsübergreifenden Brüchen und der Absicht, diese Brüche in der inneren Landschaft zu reparieren und Verbindungen wiederherzustellen. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, vor allem von den Erzählungen über ihre Großmutter Asanatu, möchte Sanata die Erfahrungen transgenerationaler Resilienz in den Vordergrund stellen. Dabei sind Augen und Hände Metaphern für die (Wieder-)Aufnahme von Kontakt und stehen symbolisch für die Überbrückung von Distanz, für Berührung und Unterstützung.

03 Joanne Heller

@txmo.vxgt

Joanne Heller ist eine politisch motivierte Künstlerin mit Wurzeln in Kamerun und Deutschland, die intermediär experimentiert, um sich und ihre Gemeinschaft zu empowern. Interkulturell geprägte Schwarze Frauen stehen in ihren Illustrationen oft im Mittelpunkt. 

Titel: Relay

Beschreibung:

Als Joanne Heller über „Generationen“ nachdachte, fiel ihr sofort das Phänomen des transgenerationalen Traumas ein. In ihrer jüngeren Familiengeschichte lässt sich nachvollziehen, wie ein Übel das nächste bedingt. Besonders panafrikanische Nachfahren sind stark von diesem Phänomen geprägt. Joanne Heller beobachtet jedoch auch, wie Schwarze Menschen als Teil der Schwarzen Community immer wieder Pionierarbeit leisten, Kultur prägen und trotz schwerer Belastungen voranschreiten. Für sie bedeutet dies, dass nicht nur Trauma vererbt wird, sondern auch Kraft, Kreativität und Resilienz. Der Staffellauf symbolisiert für sie genau dieses Zusammenspiel.

04 Gizem Güvendag

Özge Sebzeci

Die bildende Künstlerin Gizem Güvendag wurde 1989 in Ankara geboren und lebt in Köln. Ihre Arbeit umfasst neben Animationen auch Gemälde, Illustrationen und Musikvideos. Gizem sieht Kunst als eine Art Spielwiese, auf der sie durch den Einsatz verschiedener Medien Geschichten erzählen kann.

Titel: Braids of connection

Beschreibung: In „Braids of Connection“ symbolisiert das Flechten die Verbindung zwischen den Generationen, besonders zwischen Gizem und ihrer Großmutter. Dieses intime Ritual steht für Tradition, Identität und emotionale Unterstützung. Durch die Berührung der Großmutter verwandelt sich das Haar, das Gizem als lästig empfindet, in etwas Wertvolles. Das Werk thematisiert kulturelle Weitergabe, Schönheitsnormen und wie Haare sowohl Quelle der Verwundbarkeit als auch der Ermächtigung sein können. Flechten verkörpert Fürsorge und das Erbe familiärer Bindungen.

05 Arefe Ivani

Arefe Ivani

Ihre eigene Introvertiertheit machte das Malen in der Kindheit zu Arefes Ausdrucksmittel.

Später führte das Kunststudium in ihrer Heimat, dem Iran, dazu, dass sie die Welt der Kunst intensiver erkundete. Die Erfahrungen in ihrem Heimatland prägten sie stark, ebenso wie die Migration nach Deutschland. Themen wie Identität  inspirieren ihre Werke bis heute.

Titel: Auf der Suche nach mir selbst wurde ich das Kind der Erde

Beschreibung:

Rayhaneh war ein Mädchen, das, um sich gegen die Übergriffe eines Mannes zu verteidigen, einen tödlichen Akt beging. Nach sieben Jahren Haft wurde sie hingerichtet. Arefe verfolgte diesen Fall noch im Iran und erinnerte sich an die Angst vieler Frauen, die zwischen Selbstverteidigung und Opferrolle wählen müssen. Inspiriert von Reyhanehs Stärke und der Revolution „Frau, Leben, Freiheit“ widmet sich dieses Werk Frauen, denen allein aufgrund ihres Frauseins Identität und Rechte verweigert wurden.

06 Yasmine Amal

Yasmine Amal

Yasmine ist eine autodidaktische Künstlerin marokkanischer Herkunft. Ihr afro-arabisches Erbe bildet die Grundlage ihrer Kreativität, inspiriert von ihrer Verbundenheit zum Meer. Durch ihre abstrakte Malerei möchte sie kollektive Werte übersetzen, marginalisierte Stimmen hervorheben und die Effekte des Individualismus in post-kolonialen Räumen revidieren.

Titel: Unearthing Wisdom

Beschreibung: Verborgene Weisheiten indigener Kulturen bieten uns Einblicke in unser gemeinsames Erbe – jenseits von Grenzen und Weltanschauungen. Kunst, Mythen und Rituale unserer Vorfahren zeugen von Resilienz, Kreativität und einer tiefen Verbindung zur Erde als älteste Mutter der Menschheit. Als Teil ihres Dekolonialisierungsprozesses, zentriert Yasmine Tradition und das Wissen ihrer nordafrikanischen Vorfahren in ihrem Leben. Sie versteht sich als zukünftige Vorfahrin, mit einer Verantwortung, das Vermächtnis ihrer Ahnen auszugraben und in die nächsten Generationen zu tragen.

07 Penda

Nicky Nguyen (sie/ihr) versteht ihre Kunst als politisch. Dabei geben das multimediale Arbeiten und die daraus entstehenden künstlerischen Werke ihren Blick als Bi_PoC auf verschiedene Thematiken wieder. Nicky Nguyens Kunst lebt vom Kontakt –Begegnung, Reibung oder Konflikt.

Titel: Bàn thờ

Beschreibung: „Ban thờ (Altar)“ zeigt einen Ausschnitt der traditionellen Objektlandschaft rundum vietnamesischer Altare. Diese bilden ein Bindeglied zur familiären Geschichte, symbolisieren Respekt, Schutz und Spiritualität. Um das Thema der Ahnenehrung spinnt sich ein weites Netz von Traditionen und Glaubensansätzen, sodass sich auch heutige Einstellungen zu den Elementen verändert haben. Unverändert bleibt das Verlangen nach Verbindung zu einer Familiengeschichte, die selbst die Lebzeiten überschreiten soll.

08 Carlos Carima

Dianelis Alejandra Castañeda Jaen @manitadiaa

Carlos Carima ist ein in Angola geborener freischaffender Künstler, Maler und Performance Artist, der in Wuppertal/Köln arbeitet. Carimas Malerei fokussiert sich figurativ auf Schwarze abstrakte Körper. Sie folgen einer neuen Tradition – dem Schwarzen magischen Realismus.

Titel: Membran

Beschreibung: MEMBRAN, 2023-2024, 200x200cm, Öl auf Leinwand –
Das Werk „Membran“ greift Fragen über Schwarze Maskulinität und die Spannung zwischen Selbstschutz und destruktiver Abgrenzung auf. Die Zellmembran, welche den Innenraum einer Zelle vom Außenraum abgrenzt, trägt eine überlebenswichtige Funktion. Die Anwendung biologischer Sprache für die Beschreibung sozialpsychologischer Zustände von Schwarzen Männern (etwa nach Bell Hooks, Baldwin, Fanon), spiegelt die epigenetische Weitergabe transgenerationaler Muster wider. Zwischen Druck und Ungewissheit pulsiert eine kontinuierliche Suche nach Ruhe.

1. Lektorat: Safiya Yon

09 Nadja Shkirat

Nadja Shkirat

Nadja Shkirat verbindet digitale Kunst, Fotografie und Illustration mit tiefen Themen wie Verwurzelung, Heimat, Diaspora, Sehnsucht und Identität. Sie setzt Symbole ein, um die Komplexität der palästinensischen Erfahrung zu reflektieren. Ihre Arbeiten laden ein, über Frieden und Verbundenheit nachzudenken und die emotionale Tiefe ihrer kulturellen Herkunft zu erleben.

Titel: she springs eternal.

Beschreibung: Nadja Shkirats Werk ist von der tiefen Verbundenheit mit ihrer palästinensischen Heimat geprägt. Inspiriert von persönlichen Erfahrungen und der Diaspora, erkundet sie Themen wie Verwurzelung und Sehnsucht Der Olivenbaum symbolisiert nicht nur die Verbindung zur Erde, sondern auch Hoffnung und Widerstandskraft. Nadja’s Figuren, oft Frauen, stehen im Mittelpunkt und verkörpern Stärke und Frieden. Im Schaffensprozess kombiniert sie traditionelle Elemente mit modernen Techniken, was ihren Arbeiten eine emotionale Tiefe verleiht.

10 Naomi Boima

Naomi Boima ist sierraleonische-deutsche multidisziplinäre Künstler*in und Illustrator*in. Im Mittelpunkt von Naomis Werken stehen Schwarze Beziehungen und Gemeinschaften, wobei Naomi sich bewusst vom weißen, cis-heteronormativen Blick abwendet. Durch eine Schwarze feministische Linse erforscht und hinterfragt Naomi koloniale Kontinuitäten, Machtungleichgewichte und bietet eine nuancierte Kritik an historischen und gegenwärtigen Unterdrückungsstrukturen.

Titel: Ancestors

Beschreibung: Naomi Boimas Werk Ancestors wurde durch einen Traum inspiriert, in dem die Vorfahren erschienen und Naomi aus einer bedrohlichen Situation retteten. Dieser Traum ereignete sich kurz vor dem Tod des Vaters. Der Gedanke, dass dieser nun Teil der Ahnen ist und möglicherweise nicht nur in Träumen über Naomi wacht, bringt eine Verbundenheit mit ihm mit sich. Gleichzeitig reflektiert das Werk über Familientragödien, systematische Gewalt und Rassismus.

"The loss of Black men—whether by death or by imprisonment—is felt deeply within the Black family. The absence creates a void, a sense of collective grief that is carried across generations." – bell hooks

10 Maria Hosein

Maria Hosein

Maria Hosein, in Afghanistan geboren und in Deutschland aufgewachsen, ist Künstlerin und Lehrerin. Ihre enge Verbundenheit zu ihrer Herkunft führte sie während des Studiums zurück nach Afghanistan. Ihre Kunst ist eine Konstante in ihrem bewegten Leben, Ausdruck von Gefühlen, Gedanken und Schicksal. Hauptsächlich arbeitet sie figurativ und thematisiert persönliche Erlebnisse.

Titel: Freud und Leid

Beschreibung: Inspiration für das Werk fand Maria in dem 1985 in Kabul entstandenen Hochzeitsfoto ihrer Eltern. Es weckt warme Gefühle, denn hier beginnt Marias Lebensgeschichte. Es erinnert an schöne Ereignisse – doch auch an Verluste von Heimat und geliebten Menschen. In den letzten Jahren verlor Maria ihren Bruder, Vater und ihre Großmutter. Im Bild sind unter anderem Zeichnungen ihrer Oma und ihrer Kindheit eingearbeitet.
Freud und Leid liegen nah beieinander. So begann Maria das Bild mit einem Lächeln und dennoch flossen Tränen, während sie es malte.

12 Sharon Mary Nesyt

Hannah Lang

Sharon Mary ist eine blühende Person, die die Welt gerne durch Illustrationen und kreatives Schreiben erkundet. Mentale Gesundheit, Zwischenmenschliches, Emotionen, Identität sowie unsere Gesellschaft sind Bereiche, die sie besonders faszinieren.

Titel: Identitätsbad

Beschreibung: Inspiration für Illustration war eine Reise, die Sharon diesen Sommer nach Afrika gemacht hat. „Ich bade in Erinnerungen an eine Reise, die nicht lange her ist. Meine Familie auf einem anderen Kontinent. Im Sommer zwischen Aufregung und Eindrücken flog ich durch Sphären. Nun bin ich zurück. Die Zeit dort bleibt mir als fernes Bild an der Wand meiner Badewanne.“

13 Maria del Pilar

Die Kunst von Maria del Pilar vereint afrikanische, europäische und indigene Einflüsse. In ihren Collagen und Assemblagen stehen Themen wie Identität und Vielfalt im Mittelpunkt. Ihre außergewöhnlichen DNA-Porträts, die aus Familienfotos bestehen, hinterfragen dabei kulturelle Herkunft und persönliche Geschichte.

Titel: DNA Selbstporträt

Beschreibung: In Maria del Pilars Collage „DNA-Selbstporträt“ verschmelzen Generationen und Kulturen. Durch ihre Auseinandersetzung mit familiären Wurzeln und ihrer Herkunft aus drei Kontinenten (Afrika, Europa, Amerika) sowie 15 Ländern nutzt sie verschiedene Hauttöne, um die Vielfalt ihrer Identität sichtbar zu machen. Die Nase ihres Großvaters, das Auge ihres Vaters und der Mund ihrer Mutter sind eingearbeitet, wodurch verborgene Verbindungen entstehen. Sie transformiert vielfältige Materialien und schafft einzigartige, vielschichtige Kunstwerke.

14 Mieraf Körber

Mieraf Köber, in Äthiopien geboren und in Hamburg aufgewachsen, verarbeitet in ihrer Kunst die Dualität ihrer kulturellen Wurzeln. Ihre Werke verbinden die äthiopische Kultur mit deutschen Einflüssen und thematisieren Intersektionalität sowie die Herausforderungen ihrer Lebensgeschichte.

Titel: Zwischen Welten

Beschreibung: Seit ihrer Kindheit nutzt sie Kunst, um sich auszudrücken und Gespräche zu beginnen – oft mehr als durch Worte. Ihre Inspiration zieht sie aus Themen, die sie bewegen, und setzt diese visuell um, um tiefere Eindrücke zu hinterlassen. In diesem Werk kombiniert sie digitale Malerei und Collagen, erstellt mit dem Raster-Grafik-Editor. Es ist inspiriert von Raum, Identität und Kultur und lädt dazu ein, neue Perspektiven auf bekannte Themen zu entdecken.

15 Sina Hassene Daouadji

Sinas Form der Illustration soll vor allem das festhalten, was man gerade
wahrnimmt. Nebensächlich, ob man sieht, riecht, sich erinnert. Ihre Kunst nimmt einen mit in eine eigene kleine Welt der Illustration mit süßen, sensiblen Wesen, in der eigene Gesetze gelten – ob mit Tuschestift oder digital illustriert.

Titel: Vous êtes les roses dans mon jardin

„Vous êtes les roses dans mon jardin“ verarbeitet ein Zitat von Sinas Mouima (dt. Oma), welches diese ihr gegenüber im Jahr 2024 erwähnte. „Ihr seid die Rosen in meinem Garten“. Sie bezieht sich auf ihre fünf Enkelinnen, auf die sie besonders stolz ist. Ihr eigentlicher Garten in Oran, Algerien ist geschmückt von einem wunderschönen Zitronenbaum – und einem Rosenstrauch. Das Bild ist in der Vorbereitung als Zeichnung und mit Pastellkreide gestartet, wurde im nächsten Schritt eingescannt und digital weiterverarbeitet.

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